Die Niederrheinische Gesellschaft

NetObjects Fusion Paper Airplane
Zerstörung

der Niederrheinischen Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichtsforschung e.V.


DUISBURGER STADTPOST

RHEINISCHE POST

Bagger gegen Kaiserpfalz

Mitglieder des Vereins für Vor- und Frühgeschichtsforschung sind entsetzt: Bei Kanalarbeiten am Rathaus wurde ein großer Teil der Sandstein-Mauer der alten Kaiserpfalz zerstört. Viele Ausgrabungsschätze sind verseucht.
 

PETER KLUCKEN

Den Mitarbeitern der Baufirma macht Heinz Zander, zweiter Vorsitzender des Vereins für Vor- und Frühgeschichtsforschung, keine Vorwürfe. Die wussten es nicht“, sagt er. Aber dass Verantwortliche bei der Stadt im Rathaus-Torbogen Kanalarbeiten durchführen lassen, ohne diese von einem archäologischen Fachmann beobachten zu lassen, hält Zander für einen Skandal Und jetzt sei es passiert; Ein Bagger hat eine Mauer der Kaiserpfalz aus dem zwölften Jahrhundert stark beschädigt. Mittlerweile hat die Untere Denkmalbehörde die Bauarbeiten gestoppt, um noch Schlimmeres zu verhindern. Alarmiert wurde die Duisburger Behörde von Dr. Günter Krause, in den 70er und 80er Jahren Ausgrabungsleiter der Stadt Duisburg, der seit einigen Jahren den Umgang der Stadt mit ihren archäologischen Schätzen heftig kritisiert. Immer hin konnte Krause erreichen, dass die Stadt einen freiberuflichen Archäologen engagiert hat, der die weiteren Kanalbauarbeiter begleitet und die entstandenen Schäden dokumentiert. Der Bagger hat Teile einer Sandsteinmauer zerbröselt. Die zum einzig erhaltenen Gebäudeteil der Kaiserpfalz gehört, die 1283 bei einem Brand weitgehend vernichtet worden war. Auf dem Plan des Johannes Corputius von 1566 ist das Gebäude mit seinen romanischen Fenstern noch aufgezeichnet. Bereits 1904 war das zur alten Kaiserpfalz gehörende Gebäude entdeckt worden. 1989 hat es Krause nochmals freigelegt, fotografiert und archäologisch beschrieben. Auf Plänen ist seitdem genau verzeichnet, wo die Reste zu finden sind. Nur provisorisch« sei der Fund wieder zugedeckt worden. Pfalzmauer in DuisburgMan hätte also wissen müssen, so Zander, dass hier auf einem archäologisch hochsensiblen Terrain gearbeitet wird, Ärgerlich sei zudem, dass die Baufirma ihre Rohre und Schächte ohne weiteres anders als geschehen hätte verlegen können. Für Heinz Zander ist all das ein weiteres Indiz für den haarsträubenden Umgang der Stadt mit ihren archäologischen Schätzen“.

Heinz Zander zeigt die Mauer der alten Kaiserpfalz (12. Jahrhundert), aus der bei unbeaufsichtigten Kanalarbeiten mindesten ein ganzer Kubikmeter herausgebrochen wurde.
RP-Foto: Hohl

 Schimmelpilz im Rathauskeller
Zander verweist in diesem Zusammenhang auf den Rathauskeller, indem ein großer Teil der Duisburger Ausgrabungsstücke gelagert wird, Der Keller sei laut Gutachten mit gesundheitsschädlichem Schimmelpilzsporen befallen. Nicht nur die Räume sondern auch viele Fundstücke seien verseucht.

   INFO

Rathauskeller: Belastung durch Schimmelpilzsporen
(pk) Das Institut für medizinisch-wissenschaftliche Labordiagnostik GmbH hat im Auftrag des Vereins für Vor- und Frühgeschichtsforschung, dessen Vorsitzender Dr. Günter Krause ist, ein Gutachter über den, Befall des Rathauskellers mit Schimmelpilzsporen erstellt. Im Rathauskeller, werden zahlreiche Ausgrabungsstücke aufbewahrt. Das Fazit der Gutachterin Dr. rer. nat. Christel Bluhm heißt: „Auf Grund der nachgewiesenen z.T. stark gesundheitsgefährdenden Schimmelpilze ist ein längerer Aufenthalt in den Räumen mit einer nicht zu unterschätzenden Gesundheitsgefährdung verbunden. „Eine weitere Nutzung ohne Sanierung der Räume und Dekontaminierung zumindest der wichtigsten Fundgegenstände und Dokumente ist m.E. nicht möglich“. - Inzwischen hat Dr. Krause beziehungsweise der Verein für Vor- und Frühgeschichtsforschung einen Anwalt eingeschaltet.

top_background_polaroid

   Kommentar

Archäologischer Zorn ist berechtigt
Die öffentliche Hand ist arm. Da kann man durchaus der Meinung sein, dass es wichtigere Dinge als die Stadtarchäologie gibt. Dennoch muss auch jeder Banause eingestehen, dass der Zorn der Mitglieder des Vereins für Vor- und Frühgeschichtsforschung diesmal berechtigt ist. Da wird auf dem geschichtsträchtigsten Gelände Duisburgs vollkommen unbedarft rumgebuddelt, ohne dass der beauftragten Firma auch nur der geringste Fingerzeig gegeben wird, die Augen offenzuhalten. Den (Hobby-) Archäologen ist nicht zu verdenken, das sie argwöhnen, hier werde mit System vorgegangen, um geschichtliche Begehrlichkeiten im Keim zu ersticken. Haarsträubend ist das Ganze nicht zuletzt deshalb, weil die Zerstörung leicht zu vermeiden gewesen wäre. PETER KLUCKEN

top_background_polaroid

   Hintergrund der baulichen Aktion:

Alte Städte sind reich an repräsentativen Bauten, an prächtigen Kirchen und Klösterm, an Rathäusern, die vom Bürgerstolz früherer Jahrhunderte künden, und reich auch an alten Bürgerhäusern. Die Geschichte unserer Städte endet jedoch nicht beim Straßenbelag unserer Straßen und Plätze.

Pfalzreste unter dem Duisburger RathausVieles, was uns schriftliche Urkunden und Chroniken der Stadtarchive, Stadtansichten, Tafelgemälde und Reisebeschreibungen über Entstehung und Schicksal alter Städte und ihrer Bürger überliefert haben, existiert nicht mehr.

 Reste davon haben sich im Boden erhalten. So ist es nur auf den ersten Blick verwunderlich, dass die anscheinend gut dokumentierte Stadtgeschichte auch noch Sachinformationen und Sachhinweise braucht, wie sie nur die Archäologie, die Stadtarchäologie, liefern kann. Links im Bild sehen Sie den Bau F im Corputiusplan, Teil des damaligen Rathauses (Abb. 2 und 3).

 

In Duisburg wurden Spuren einer mittelalterlichen Pfalz durch Arbeiten für die Stadtbahn freigelegt. Für diesen bedeutenden Fund wurde die geplante Tiefgarage aufgegeben. Dafür entstand ein archäologisches Freilichtmuseum im Stadtkern. Das Foto (Abb. 2) stammt aus dem Faltblatt F 16 herausgegeben vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz.(Abb. 4) zeigt die guterhaltene Duisburger Stadtmauer auf dem Titelbild des DND.

Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutsamkeit der Duisburger Königspfalz erst richtig deutlich. Um so bedeutsamer dieses Baudenkmal ist, um so behutsamer muss aus städtebaulicher Sicht mit diesem Kulturgut umgegangen werden. Die untere Dankmalbehörde spielt dabei eine Schlüsselrolle. Da die auf (Abb.1) befindlichen Baureste der Königspfalz bereits ausgegraben und dokumentiert  der Aufsichtsbehörde vorlagen, ist es ihre Pflicht bei städtebaulichen Maßnahmen planungsbestimmend aufzutreten.

Beim Bau des alten Sammlers nahm man damals Rücksicht auf die Funamente der Pfalz, so hätte man auch ohne weiteres den neuen Sammler an den alten Standort einbauen können. Aus ingenieurtechnischer Sicht kann bei der Planung solcher Anlagen jede Lage in der Fläche positioniert werden. Wozu gibt es schließlich 120 Grad Bögen? Hier wurde also ein bedeutendes Baudenkmal wegen 2 bis 3 Formstücke im Wert von einigen 100 EURO zerstört. Ein speziell beauftragter Archäologe konnte nur noch weitere Schäden verhindern und die am Mauerwerk entstandenen Schäden dokumentieren. Rechts im Bild Dr. Günter Krause, links der beauftragte Archäologe (Abb.5) .

 
Nur gut, dass die von Dr. Krause 1989 wissenschaftlich durchgeführte Pfalzgrabung   durch viele Dias gut dokumentiert worden sind. Ein Wissenschaftler handelt dadurch verantwortungsvoll, weil zukünftige Generationen sonst keine Chance mehr hätten unsere Vergangenheit zu rekonstruieren.

Es gibt Städte wie Mainz, da wurde vor kurzem im Stadtzentrum die Fundament eines großen Tempels der Göttin Isis freigelegt. Da ein Einkaufszentrum an dieser Stelle geplant war, wurde der Tempel mit einem aufwendigen Verfahren um 30 m versetzt. Das sollte auch ein Vorbild für andere Städte in Deutschland sein.

top_background_polaroid

Das bekannteste und bedeutenstste Bodendenkmal von Duisburg war schon auf vielen Stellen abgebildet darunter in den Zeitschriften:

Best“Archäologie in Deutschland”

Best Ein Land macht Geschichte, Archäologie in Nordrhein-Westfalen, im Faltblatt des dt. Nationalkomitees für Denkmalschutz zur Stadtarchäologie

BestG. Krause, Stadtarchäologie in Duisburg
Von den Schwierigkeiten bei der Suche nach den Wurzeln unserer städtischen Zivilisation. In: Schild von Steier. Beiträge zur steirischen Vor und Frühgeschichte und Münzkunde. Kleine Schriften 20, 2004, 117-137

 

Seitenanfang

website design software

Webdesign  Copyright © 2017 – Dipl.- Ing. Detlef Stender –  Alle Rechte vorbehalten – Stand: 10.09.2017